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Pflegegrad Ratgeber

MD-Begutachtung vorbereiten: Die Checkliste

Symbolbild, KI-generiert

Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD, früher MDK) bildet die Grundlage für die Feststellung des Pflegegrades nach § 15 SGB XI. Der Termin ist keine Prüfungssituation, sondern eine strukturierte Einschätzung des Unterstützungsbedarfs, die normalerweise in der häuslichen Umgebung stattfindet – dort lässt sich die tatsächliche Versorgungssituation am besten erfassen.

Eine MD-Begutachtung dauert typischerweise zwischen 45 und 90 Minuten. Die Dauer hängt von der Komplexität der Pflegesituation, der Anzahl der Rückfragen und den vorliegenden Unterlagen ab. Eine gute Vorbereitung verkürzt den Termin meist nicht wesentlich, verbessert aber die Nachvollziehbarkeit der Angaben.

Wie funktioniert das Neue Begutachtungsassessment (NBA)?

Das Neue Begutachtungsassessment (NBA) ist das strukturierte Verfahren, mit dem der MD die Pflegebedürftigkeit beurteilt. Dabei werden sechs Lebensbereiche (Module) bewertet und mit festen Gewichtungen zu einem Gesamtergebnis zusammengeführt.

Modul Lebensbereich Gewichtung
1 Mobilität 10 %
2/3 Kognition/Verhalten (höherer Wert zählt) 15 %
4 Selbstversorgung 40 %
5 Krankheits- und therapiebedingte Anforderungen 20 %
6 Gestaltung des Alltagslebens 15 %

Die Gewichtung erklärt, warum Einschränkungen in der Selbstversorgung – etwa beim Waschen, Ankleiden oder der Nahrungsaufnahme – oft besonders stark ins Ergebnis einfließen. Die erreichten Punkte entscheiden über den Pflegegrad: Pflegegrad 1 beginnt ab 12,5 Punkten, Pflegegrad 5 umfasst 90 bis 100 Punkte.

Wann findet eine telefonische Begutachtung statt?

Telefonische Begutachtungen in Form strukturierter Interviews können in Ausnahmefällen stattfinden. Nach § 142a SGB XI gelten strikte Ausschlusskriterien:

  • Erstmalige Untersuchung/Erstantrag
  • Widerspruchsverfahren
  • Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr
  • Wenn die unmittelbar vorangegangene Begutachtung ergab, dass keine Pflegebedürftigkeit nach § 14 Absatz 1 SGB XI vorliegt
  • Wenn das Vorgutachten nach Hausbesuch älter als 36 Monate ist
  • Wenn die Begutachtungsform aus fachlicher Sicht nicht geeignet ist

Bei Höherstufungs- und Wiederholungsbegutachtungen ab dem vollendeten 14. Lebensjahr kann ein Telefoninterview durchgeführt werden, sofern der Gutachter oder die Gutachterin dies aus fachlicher Sicht für geeignet hält.

Bei allein lebenden Personen mit diagnostizierter Demenz, bei Personen mit Aufmerksamkeits-, Sprach-, Hör- und Konzentrationsproblemen sowie bei psychischen Erkrankungen muss die Anwesenheit einer unterstützenden Person gewährleistet sein, falls ein Telefoninterview stattfindet. Dies gilt auch für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren.

Das Pflegetagebuch: Strukturierte Dokumentation des Alltags

Das Pflegetagebuch ist eines der praktischsten Instrumente zur Vorbereitung. Es dokumentiert den Hilfebedarf über einen Zeitraum von 1 bis 2 Wochen und sollte nach den sechs NBA-Modulen strukturiert sein.

Was gehört in ein Pflegetagebuch?

Notieren Sie in den Tagen bis zur Begutachtung, welche Hilfestellungen im Alltag konkret nötig sind. Unterscheiden Sie dabei:

  • Anleitung: Die Person kann die Tätigkeit ausführen, benötigt aber verbale Hinweise oder Motivation
  • Teilübernahme: Die Person führt Teile der Tätigkeit selbst aus, andere Teile werden übernommen
  • Vollständige Übernahme: Die gesamte Tätigkeit wird für die Person erledigt

Geben Sie nicht nur an „braucht Hilfe", sondern dokumentieren Sie, wann Hilfe erforderlich ist und wie oft sie nötig wird. Beispiele: „Beim morgendlichen Ankleiden muss ich die Kleidung bereitlegen und beim Zuknöpfen helfen" oder „Erinnere dreimal täglich an die Medikamenteneinnahme und kontrolliere die Dosierung".

Welche Unterlagen sind sinnvoll?

Stellen Sie eine Unterlagenmappe zusammen, die nicht nur Diagnosen nennt, sondern konkrete Einschränkungen beschreibt. Besonders aussagekräftig sind ärztliche Befunde mit Formulierungen wie:

  • „Deutlich verminderte Gehstrecke"
  • „Transfer nur mit Unterstützung"
  • „Ausgeprägte Vergesslichkeit"
  • „Regelmäßige Hilfe bei der Medikamenteneinnahme notwendig"
  • „Verliert schnell die Orientierung"

Diese Aussagen sind im Begutachtungskontext wertvoller als rein technische Diagnoselisten. Sie beschreiben die funktionalen Auswirkungen der Erkrankungen – und genau das bewertet das NBA.

Legen Sie folgende Dokumente bereit:

  • Aktuelle ärztliche Befunde und Arztbriefe
  • Medikamentenpläne
  • Krankenhaus- und Reha-Berichte
  • Hilfsmittelverordnungen
  • Das Pflegetagebuch

Warum sollten Angehörige oder Pflegepersonen anwesend sein?

Angehörige oder Pflegepersonen sollten bei der Begutachtung anwesend sein. Sie können:

  • Den Antragsteller oder die Antragstellerin moralisch unterstützen
  • Wichtige Aussagen beisteuern, die die pflegebedürftige Person selbst nicht mehr erinnert oder benennen kann
  • Halt bei unangenehmen oder peinlichen Fragen bieten
  • Realistisch beschreiben, wo die Pflegesituation geschönt dargestellt wird
  • Fehlerhafte Selbsteinschätzungen korrigieren – besonders relevant bei demenzerkrankten Personen, die von ihren Fähigkeiten ein falsches Bild haben
  • Ein Vier-Augen-Gespräch mit dem Gutachter oder der Gutachterin ermöglichen

Wie sollte man sich während der Begutachtung verhalten?

Ist es sinnvoll, die Situation schlechter darzustellen?

Nein. Das Gegenteil von Schönung – nämlich zu schauspielern und die Situation schlechter darzustellen als sie ist – wird nicht empfohlen. Gutachter und Gutachterinnen sind erfahren in der Prüfungssituation und stellen dies schnell fest. Glaubwürdigkeit ist entscheidend.

Zeigen Sie den tatsächlichen Zustand der pflegebedürftigen Person. Wenn jemand beispielsweise noch kurze Strecken gehen kann, aber längere Wege nicht mehr bewältigt, sagen Sie genau das – und nicht „kann gar nicht mehr laufen".

Konkrete Beispiele statt allgemeiner Aussagen

Im Mittelpunkt der Begutachtung steht die Frage, in welchen Lebensbereichen die Selbstständigkeit eingeschränkt ist. Bewertet wird nicht die Diagnose allein, sondern wie stark die Einschränkungen den Alltag beeinflussen.

Beispiele aus dem Tagesablauf sind wichtiger als allgemeine Aussagen. Statt „Meine Mutter ist vergesslich" sagen Sie: „Meine Mutter vergisst ohne Unterstützung wichtige Aufgaben wie das Ausschalten des Herds und muss bei der Medikamenteneinnahme täglich angeleitet werden."

Checkliste: Die wichtigsten Schritte zur Vorbereitung

  1. Pflegetagebuch führen: Dokumentieren Sie den Hilfebedarf über 1–2 Wochen, strukturiert nach den sechs NBA-Modulen
  2. Unterlagen zusammenstellen: Ärztliche Befunde, Medikamentenpläne, Krankenhaus-Berichte, Hilfsmittelverordnungen
  3. Angehörige organisieren: Klären Sie, wer bei der Begutachtung anwesend sein kann
  4. Konkrete Beispiele vorbereiten: Überlegen Sie sich typische Situationen aus dem Alltag, die den Hilfebedarf verdeutlichen
  5. Wohnumgebung: Sorgen Sie dafür, dass die häusliche Situation realistisch dargestellt wird – räumen Sie nicht ungewöhnlich auf oder um
  6. Fragen notieren: Schreiben Sie offene Fragen auf, die Sie dem Gutachter oder der Gutachterin stellen möchten

Die Begutachtung ist kein Verhör, sondern ein strukturiertes Gespräch. Eine gute Vorbereitung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der tatsächliche Unterstützungsbedarf nachvollziehbar erfasst wird – und bildet damit die Grundlage für eine angemessene Pflegrad-Einstufung.

Quellen

  1. Begutachtung durch Medizinischen Dienst: So können Sie sich vorbereiten
  2. Begutachtung Medizinischer Dienst: Darauf müssen Sie achten
  3. Ablauf, Checkliste & typische Fehler 2026
  4. Pflegegrad Begutachtung vorbereiten: Checkliste für den MD Termin
  5. MDK-Begutachtung vorbereiten – Tipps & Checkliste 2026 | Verhinderungspflege.de

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MD-Begutachtung vorbereiten: Checkliste & Tipps 2026 · Pflegeleitstern